Großalarm am Einkaufszentrum "Norder Tor"

Ein Großeinsatz der Norder Feuerwehr am im Bau befindlichen Einkaufszentrum Norder Tor sorgte am Sonnabendnachmittag für Aufsehen. Zunächst war der akustische Feueralarm des Centers, welches am 29. März offiziell eröffnet werden soll, im und außerhalb des riesigen Gebäudes zu hören. Eine Bandansage forderte zum Verlassen des Gebäudes auf. Wenig später drang dichter Qualm aus einem Ladenlokal, Handwerker flüchten ins Freie und brachten sich in Sicherheit. Dann rückt auch schon die Freiwillige Feuerwehr Norden, das Deutsche Rote Kreuz (DRK), der Rettungsdienst sowie die Polizei mit einem Großaufgebot an Einsatzkräften an. Bis dahin wusste kaum jemand, dass das Szenario eine unangekündigte Alarmübung war. Nur ein kleines Organisationsteam wusste von dieser Großübung.

Als um 14.29 Uhr erst nur für einen kleinen Teil der Feuerwehr Norden die Meldeempfänger ertönten, hatte zuvor die automatische Brandmeldeanlage des Centers den gestellten Brand in einem Ladenlokal als erstes entdeckt und den Alarm ausgelöst. Kurz nach der Alarmierung rückt die Feuerwehr auch schon mit einem Löschfahrzeug sowie dem stellvertretenden Stadtbrandmeister, Dieter Stellmacher, mit Blaulicht und Martinshorn an. Die Einsatzkräfte sehen sofort eine deutliche Rauchentwicklung, die eine Nebelmaschine in dem Restaurant erzeugt. Der Haustechniker des Centers empfängt die Einsatzkräfte und berichtet von mehreren Handwerkern, die er kurz zuvor in dem vom "Brand" betroffenen Bereich gesehen hat und seitdem verschwunden sind. Dieter Stellmacher zögert nicht lange und lässt bei der Leitstelle die Alarmstufe auf Großbrand erhöhen, worauf über 100 Funkmeldeempfänger der Norder Feuerwehrmitglieder ausgelöst werden. Die erste Lagemeldung von Stellmacher klingt am Funk dramatisch und aufgeregt. In Wirklichkeit ist der stellvertretende Stadtbrandmeister aber innerlich total ruhig, denn er ist einer der wenigen, die von der Übung wussten. Diese hatte er mit den beiden Hauptlöschmeistern Thomas Kettler und Thomas Weege sowie Hilmer Mannott, dem Ortsbeauftragten des Technischen Hilfswerk (THW), ausgearbeitet.

"Wenn das Einkaufszentrum zum Monatsende seine Pforten öffnet und den Betrieb aufnimmt, dann müssen wir als Feuerwehr darauf vorbereitet sein", so Hauptbrandmeister Stellmacher. "Das Objekt ist für uns im Einsatzfall eine große Herausforderung", sagte der stellvertretende Wehrführer weiter.

Nach und nach treffen weitere Feuerwehrfahrzeuge mit ihren Besatzungen ein. Die Führungskräfte erkunden die Lage und verschaffen sich mit einem speziellen Feuerwehrplan einen Überblick. Die fiktive Einsatzstelle wird in Einsatzabschnitte eingeteilt. Innerhalb weniger Minuten hatte die Norder Wehr ihre Drehleiter in Stellung gebracht und einen umfassenden Löschangriff rund um das Einkaufszentrum aufgebaut. Atemschutzgeräteträger dringen in das verqualmte Gebäude ein und suchen die Vermissten. Das Galgentief dient den Löschkräften als Wasserentnahmestelle. Das Einrichten der Entnahmestellen erweist sich aber als sehr aufwendig. Bis zur Wasseroberfläche sind es teilweise mehr als fünf Meter, die auch nur über eine zugewucherte oder steile Uferböschungen zu erreichen ist. Doch nach rund 15 Minuten sind alle Schlauchleitungen verlegt und es kann ausreichend Löschwasser fließen. Das Gebäude ist brandschutztechnisch gut gesichert und verfügt unter anderem über eine Sprinkleranlage mit einem Löschwasservorrat von über 400 Kubikmetern, die unter der Auffahrt zum Parkdeck lagern. Ein Hydrant am Haupteingang wurde bei den Bauarbeiten nicht richtig im Boden eingebaut, hier kann die Feuerwehr kein Löschwasser entnehmen. Im Ernstfall hätte dies fatal sein können. Hier müssen die Handwerker nochmal nacharbeiten. Solch ein Mangel ist eine wichtige Erkenntnis dieser Übung.

Im Inneren suchen die Atemschutzgeräteträger währenddessen weiter nach den "Opfern". Im leicht verqualmten Rettungstunnel, der quer durch das Center führt, werden zwei Opfer entdeckt. Sie hatten schreiend auf sich aufmerksam gemacht. Ein weiteres Opfer steht auf dem Parkdeck und ist von der Rauchentwicklung eingeschlossen. Mit der Drehleiter kann dieses Opfer "gerettet" werden. Die drei Statisten stammen von der befreundeten Ortsfeuerwehr Haxtum in Aurich. Ein Junge der Norder Jugendfeuerwehr hat sie tatkräftig unterstützt. "Da wir die Übung in unseren Reihen so gut es ging geheim halten wollten, haben wir in Haxtum gefragt", so Thomas Weege. In dem verqualmten Ladenlokal finden die Retter zwei Übungspuppen sowie einen weiteren Statisten und bringen sie ins Freie. Diese "Verletzten" werden an die Helfer des DRK und des Rettungsdienstes übergeben, welche eine Verletztensammelstelle eingerichtet haben. Dort könnten Verletzte bis zum Transport in ein Krankenhaus versorgt werden.

Nach rund eineinhalb Stunden ist die Übung, welche am Rande auch von Nordens Bürgermeisterin Barbara Schlag, dem Ersten Stadtrat Hans-Bernd Eilers sowie Uwe Fröbel vom Bürgerservice der Stadt Norden beobachtet wurde, abgearbeitet. Auch der letzte Beteiligte weiß jetzt, dass es sich nur um keinen Ernstfall handelt. Doch damit war für die über 110 Einsatzkräfte noch lange nicht genug. Schon liefen weitere gestellte Notrufe ein, die das Handeln der Rettungskräfte erforderlich machten. Im Warfenweg war in einer Pumpenstation der Kanalisation ein Elektromotor in Brand geraten. Zwar konnte dieser von Mitarbeiter der Norder Stadtentwässerung mit einem Feuerlöscher gelöscht werden, aber einer der Mitarbeiter war in dem zirka acht Meter tiefen Pumpenschacht zusammengebrochen. Auch dieses gestellte Opfer mussten von Atemschutzgeräteträgern aufwendig gerettet werden. Die Helfer mussten bei dieser Übung die Vielzahl möglicher Atemgifte berücksichtigen, die in solch einer Situation vorhanden sein können. An dieser Übung beteiligten sich drei Mitarbeiter der Stadtentwässerung.

Noch während diese Übung lief, rückten vom Norder Tor weitere Einsatzkräfte in den Gewerbe- und Dienstleistungspark Leegemoor aus. Dort hatte Thomas Kettler ein weiteres anspruchsvolles Szenario für seine Kameraden vorbereitet. Bei einem illegalen Autorennen in einer Sackgasse sollte es zu einem schweren Verkehrsunfall gekommen sein. Die Unfallwagen waren in einen Tanklastwagen geschleudert, dessen Tank beschädigt wurde und auslief. Wie die Einsatzkräfte anhand der Fahrzeugkennzeichnung korrekt erkannten, sollte es sich um Dieselkraftstoff handeln, welcher sich großflächig auf der Fahrbahn verteilt. In den Unfallautos waren drei Opfer eingeklemmt und mussten befreit werden. Hier kamen wieder die Haxtumer Statisten zum Einsatz.

Die Drehleiter bekam einen weiteren Übungsauftrag zugeteilt. Im Wiesenweg drohte nach einem kurzen aber heftigen Unwetter ein Baum auf ein Wohnhaus zu stürzen und musste beseitigt werden.

Auch das THW blieb an diesem Tag nicht von den Plänen der Übungsvorbereiter verschont. In der Großen Mühlenstraße mussten die Helfer des THW gemeinsam mit den Kameraden der Feuerwehr zwei Handwerker retten, die durch ein Hallendach gebrochen waren. Die beiden Monteure waren dabei eine Photovoltaikanlage auf dem Hallendach eines Blumenladens zu montieren, als das Eternitdach nachgab und die beiden Arbeiter in die Tiefe stürzten. Einer der beiden blieb in rund fünf Metern Höhe in der Dachkonstruktion hängen. Sein Kollege stürzte zu Boden, wurde aber von schweren Dachteilen verschüttet. Hier kam ein neues Schnellbaugerüstsystem des THW zum Einsatz, welches die Mitglieder beider Einrichtungen in der Halle aufbauten um den "Verletzten" zu retten.

Nach über vier Stunden geprobten Rettungs- und Löscheinsätzen gab es im Hilfeleistungszentrum eine Nachbesprechung. Das Organisationsteam zog dabei ein durchweg positives Fazit. Alle Aufgabenstellungen wurden fachgerecht abgearbeitet, auch wenn es hier und dort kleine Beanstandungen gab. Erleichtert zeigten sich alle Beteiligten, dass man das neue Einsatzobjekt, das Norder Tor, hat einmal hat kennenlernen können. Das Gebäude und seine Besucher sind durch die Brandschutzeinrichtungen gut geschützt. Größere Sorge bestehe beim Brand der alten Frisia-Mühle, welche unmittelbar am Norder Tor stehe. Klar ist auch, dass bei einem Großfeuer in dem Einkaufszentrum oder der Frisia-Mühle die Unterstützung von Nachbarfeuerwehren erforderlich wird. Auch die Drehleitern aus Aurich und Emden könnten dann zum Einsatz kommen. Wichtig sei für die Feuerwehr dort aber eine gute Ortskenntnis, da die Ordnung des Raumes wegen der engen Bebauung dort im Einsatzfall schwer falle. Auch die Orientierung in dem Gebäude ist nicht so einfach und muss noch verbessert werden. Ansonsten können man unnötig lange Wege antreten und auch eine ungewollte Ausbreitung von Brandrauch auslösen. Hier ist man schon mit dem Centermanagement in Kontakt getreten, um dort entsprechende Begehungen durchzuführen.

Videobeitrag des Friesischen Rundfunk

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Fotos: Gerhard Samuels & Thomas Weege



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