Herbstübung im Therapiezentrum Norddeich

Am Dienstagabend löste die Rettungsleitstelle gegen 20.10 Uhr Alarm für die Freiwillige Feuerwehr Norden aus und meldet den Brand des Therapiezentrums in Norddeich an der Badestraße. Im Normalfall würde die Meldung bei den Feuerwehrleuten großes Unbehagen auslösen. Die Feuerwehrleute wissen genau, was sie dort erwartet: Ein langer Anfahrtsweg, schlechte Erreichbarkeit an das und umliegende Gebäude wegen zahlreicher Poller und schmale Zufahrtsstraßen, sowie ein aufwendiger Aufbau einer Wasserversorgung. Doch am Dienstagabend bleiben die rund 90 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Deutschen Roten Kreuz ganz gelassen, denn alle wissen dass es sich hier um die diesjährige Herbstübung der Norder Wehr handelt.

Die Mitglieder der Feuerwehr Norden Dirk Bünting, Thomas Kettler und Christian Schipper hatten sich das Großbrandszenario ausgedacht und mit dem Hausmeister des Objektes vorbereitet. Stadtbrandmeister Karl Kettler und sein Stellvertreter Dieter Stellmacher rücken als erstes aus. Schon auf der Anfahrt können sie den Brand aus weiter Ferne sehen und lassen die gesamte Norder Wehr einschließlich des Vierten Zuges in Leybuchtpolder alarmieren. Im Ernstfall würden auch die Drehleiter aus Aurich und die Ortsfeuerwehren Lütetsburg und Hage angefordert werden, dies war aber an diesem Abend nur auf dem Papier vorgesehen. An der Einsatzstelle angekommen empfängt die beiden Wehrführer der Hausmeister und berichtet von einer Verpuffung, die es im Dachgeschoss gegeben haben soll. Er vermutet, dass diese Handwerker ausgelöst haben, die tagsüber im Therapiezentrum gearbeitet haben. Tatsächlich wird das große Gebäude zurzeit umfangreich umgebaut. Kaum eine Wand steht noch dort, wo sie im Feuerwehreinsatzplan eingezeichnet sind. Das Dachgeschoss steht bereits in hellen Flammen und es befinden sich noch drei Personen in dem Haus. Die großen Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr haben auf der Anfahrt aber ihre Probleme. Poller versperren die Straßen und müssen entweder aus dem Boden gezogen oder versenkt werden, andere wiederum werden umgeklappt. Die Schlüssel für die Poller sind auch noch fast alle unterschiedlich. Dann geht es durch die engen Zuwegungen weiter. Thomas Kettler gibt später bei der Nachbesprechung zu bedenken, dass man dort genau überlegen muss, wann dort welches Fahrzeug wo eingesetzt werden soll. „Steht dort erst einmal ein Fahrzeug an der falschen Stelle, so geht dort nichts mehr“. Christian Schipper gibt die Parkplatzsituation der Touristen dort im Sommer zu bedenken. Nachdem die Ordnung des Raumes aber erfolgreich stattgefunden hat, läuft alles ganz routiniert. Die ersten Atemschutzgeräteträger werden ins Gebäude geschickt, um die vermissten Personen zu retten. Die Drehleiter wird aufgestellt, um mit dem Wenderohr die Brandbekämpfung von oben einzuleiten. Das ganze Gebäude wird mit Strahlrohren und Wasserwerfern umzingelt. Für diesen massiven Angriff werden bis zu 6000 Liter pro Minute benötigt. Das Wasser wird überwiegend aus Feuerlöschbrunnen entnommen. Hierfür müssen aber diverse mehrere hundert Meter lange Schlauchleitungen aufgebaut werden. Ein Feuerlöschbrunnen befindet sich direkt vor dem Therapiezentrum, das Löschfahrzeug welches mit seiner Pumpe das Wasser ansaugt, würde im Ernstfall aber viel zu nah an dem Gebäude im Trümmerschatten stehen. Das Therapiezentrum ist mit einem Tunnel direkt mit der Kurklinik verbunden. Hier musste die Rauchausbreitung verhindert werden. Nachdem auch der letzte „Vermisste“ an das Deutsche Rote Kreuz übergeben wurde, ist die Übung beendet.

Alle Einsatzkräfte haben die brenzlige Situation an diesem Objekt vor Augen geführt bekommen. Karl Kettler erinnert bei der Nachbesprechung an die echten Einsätze in der benachbarten Kurklinik. Dort hat es bereits mehrfach gebrannt. Dies habe die Feuerwehr voll und ganz gefordert. Der Ausbau des Therapiezentrums lässt die Sorgen der Feuerwehr nicht kleiner werden.


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